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Zum 100. Geburtstag von Wilhelm Thumm

Die Köngener Leichtathletik-Ikone lebt in unserer Erinnerung weiter.

Eine LA-Ikone: Wilhelm Thumm (Foto: TSV/LA)

1964 in Berkheim (Foto: TSV/LA)

Enkelin Bianca (li.) und Gabi Wisst am Pfingstmarktstand (Foto: TSV/LA)

Es gibt mehrere Köngener Sportlerinnen und Sportler, die seit der Gründung 1936 die Leichtathletikabteilung des TSV Köngen beeinflusst und maßgeblich geprägt haben. Doch eine Person ragt bis heute heraus: Wilhelm Thumm – die prägende Person der Köngener Leichtathletik. 
Am 13. Dezember 2025 hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Für Wilhelm Thumm war der Sport – insbesondere die Leichtathletik, die sich einst aus der Handballabteilung heraus entwickelte – neben der Familie die große Leidenschaft seines Lebens. Bis zu seinem Lebensende setzte er sich mit unermüdlichem Einsatz für "seine" Abteilung ein.

Bereits 1985 würdigte Dietmar Bauder ihn im Köngener Anzeiger zum 60. Geburtstag mit folgenden Worten (Auszug):

Ein Pionier der Leichtathletik wird 60 Jahre

Am heutigen Freitag feiert Wilhelm Thumm seinen 60. Geburtstag. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, was aus der Leichtathletik in Köngen geworden ist. Wer selbst im Sport tätig ist, kann ermessen, was es bedeutet, über 40 Jahre in einem Verein aktiv tätig zu sein. Wilhelm Thumm war und ist nicht nur der Leichtathletik zugetan, schon in der Jugendzeit war er aktiver Handballer in Köngen und errang zahlreiche Erfolge. Doch seine Liebe und sein Einsatz gehörten der Leichtathletik. In seiner aktiven Zeit errang er mehrere Württembergische Meisterschaften in den Mittelstrecken. Entscheidende Impulse gab er der Köngener Leichtathletikabteilung während seiner mehr als 19-jährigen Tätigkeit als Abteilungsleiter. Seiner Persönlichkeit und seinem Einsatz war es zu verdanken, dass Köngen im Jahre 1965 die Deutschen Waldlaufmeisterschaften ausrichten konnte. Ebenfalls die Vergabe der Württembergischen Waldlaufmeisterschaften kann auf seinen Einsatz zurückgeführt werden. In dieser Zeit konnten auch seine damaligen Schützlinge der weibl. Jugend zwei deutsche Waldlauftitel in der Mannschaft erlaufen.

Auch in späteren Jahren war Wilhelm Thumm voller Tatendrang. Nach wie vor fuhr er mehrmals pro Woche bei jedem Wetter von der Neckarstraße in Wendlingen, anfangs mit dem Rad, dann mit dem Rennrad und später mit dem Mofa nach Köngen ins Stadion Fuchsgrube oder in die Burgschulsporthalle, um mit den jungen Athletinnen und Athleten zu trainieren. Er kümmerte sich um leistungsorientierte Talente und begeisterte Hobbysportler gleichermaßen. Wichtig war ihm vor allem, dass alle "mitziehen". Über die Jahre eignete sich der ehemalige Mittelstreckler fundiertes Wissen in allen Disziplinen der Leichtathletik an. Sein größter sportlicher Erfolg als Trainer war die Entwicklung von Klaus Just, den er ab dem Schüleralter betreute – auch nachdem dieser zum damaligen Spitzenverein Salamander Kornwestheim gewechselt war. Klaus zählte über Jahre zur nationalen Spitze über 400 Meter (Bestzeit: 45,52 Sekunden) und gewann mit der 4x400-Meter-Staffel zweimal Silber bei Europameisterschaften (1986 und 1990). Insgesamt startete er 19-mal im Nationaltrikot – eine außergewöhnliche Bilanz, auch für seinen Trainer Wilhelm Thumm.

Schon früh erkannte Wilhelm, dass es kleine Vereine schwer haben und so war er eine treibende Kraft bei der Gründung der LG Filder 1971 – eine Entscheidung mit Weitblick. Heute zeigt sich, wie besonders wichtig dieser Zusammenschluss war.

Aufgrund seines enormen Einsatzes für die Leichtathletik wurde Wilhelm Thumm, neben weiteren Ehrungen, 1998 von Staatssekretär Rudolf Köberle die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Zu diesem Anlass erschien ein Artikel in der Esslinger Zeitung, in dem der weite Weg vom Training auf Rasen auf dem alten Sportplatz (der heutige Aldi-Parkplatz) bis zum Stadion Fuchsgrube deutlich wurde. Ein humorvolles Detail aus dieser Zeit: Ein ausgedienter Stahlhelm gefüllt mit kaltem Wasser diente den Sportlern als Dusche. Wilhelm soll dem Reporter schmunzelnd erzählt haben, dass einmal ein Sportler eines anderen Vereins sich statt des kalten Wassers lieber die warme Wurstbrühe über den Kopf kippte und danach einen herbwürzigen Geruch verströmte. Wie gut haben wir es doch heute!

Nach seiner Pensionierung prägte Wilhelm noch viele Jahre das LA-Geschehen in Köngen maßgeblich und erfolgreich als Trainer, Freund, Ratgeber und unermüdlicher Helfer. Er unterstützte auch den Einbau der Kunststoffbahn im Stadion und unseren Stand seit 1980 am Pfingstmarkt.

Als "Jung-Rentner" machte er noch den Führerschein und "düste" fortan mit dem Auto oder dem Wohnmobil ins Training sowie zu den Wettkämpfen und gemeinsam mit seiner Frau Hilde in den Urlaub. Wer behauptet, Sport halte nicht jung, hat "unseren" Wilhelm nie gekannt!

Wilhelm Thumm war bis ins hohe Alter ein liebenswürdiger, lebenslustiger, meistens gut gelaunter Mensch. Die "Mostpartys" bei ihm in der Neckarstraße bleiben bei den Älteren sicher in guter Erinnerung.

Er hatte auch eine handwerkliche Begabung und war sehr kreativ. Er bastelte nicht nur für den privaten Bereich, sondern auch für die Leichtathleten. So entwarf Wilhelm beispielsweise einen Schneepflug, mit dem er im Winter vor dem Training im Stadion den Schnee von der Innenbahn entfernte. So konnten die Athlet(inn)en ihr vorgesehenes Training problemlos durchziehen. Aus heutiger Sicht kaum zu glauben, früher hatten wir um die Jahreswende, manchmal wochenlang, eine geschlossene Schneedecke im "Ländle".

Vor zehn Jahren, zu seinem 90. Geburtstag feierten wir nochmals gemeinsam mit der Familie und Freunden im Restaurant Fuchsgrube. Aus gesundheitlichen Gründen war er damals nur noch selten im Stadion, doch sein Interesse an der Leichtathletik blieb bis zuletzt ungebrochen. Am 10. November 2016 mussten wir schweren Herzens Abschied nehmen. Sein Tod hinterließ eine Lücke, die kaum zu füllen ist. Mit Wilhelm Thumm, der die Köngener Leichtathletik über mehr als ein halbes Jahrhundert prägte wie kein Zweiter und den TSV Köngen über die Landesgrenzen hinaus bekannt machte, verloren wir nicht nur einen herausragenden Sportsmann und Trainer, sondern vor allem einen großartigen Menschen.

Sein Name wird immer untrennbar mit der Köngener Leichtathletik verbunden sein. Wilhelm wäre bestimmt stolz, dass sich inzwischen sein Schwiegersohn Franz, seine Enkelin Bianca und ihr Mann Florian sowie seine Urenkel Yann und Nils aktiv in der Köngener Leichtathletikabteilung einbringen.

Lasst uns alle gemeinsam dafür sorgen, dass auch in 50 Jahren in Köngen noch mit Begeisterung Leichtathletik betrieben wird – ganz im Sinne von Wilhelm Thumm.