Handball

Schiedsrichter

Viele neue Gesichter – Investition in die Zukunft

Liebe Sandra, ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass du dich im letzten Lattenknaller zur aktuellen Schiedsrichter-Situation geäußert hast. Wie hat sich die Schiedsrichterei in den letzten 12 Monaten entwickelt?

Die Herausforderungen sind im Grunde dieselben geblieben,haben sich in einigen Bereichen aber sogar noch verschärft. Ab dieser Saison müssen die Spiele bis einschließlich zur C-Jugend von den Vereinen selbst besetzt werden. Diese Einsätze werden jedoch nicht auf das offizielle Schiedsrichter-Soll angerechnet. Dadurch steigt der Bedarf an Spielleitern und Schiedsrichtern weiter an. Gleichzeitig müssen Nachwuchsschiedsrichter heute häufig bereits ab der B-Jugend Verantwortung übernehmen. Umso wichtiger werden eine gute Ausbildung, Begleitung und Unterstützung unserer Neulinge. 

Insgesamt sehen wir aber auch positive Entwicklungen durch neue Förderprogramme und die intensive Betreuung unserer Nachwuchsschiedsrichter.

Wie würdest du die aktuelle Schiedsrichter-Situation beim TSV Köngen beschreiben? Gibt es genügend aktive Schiris?

Nein, auch beim TSV Köngen gibt es nicht genügend aktive Schiedsrichter. Im Vergleich zu vielen anderen Vereinen stehen wir zwar noch relativ gut da, können unseren Bedarf aber schon heute nicht vollständig decken. Die Situation spitzt sich weiter zu: Wie vielen anderen Vereinen droht auch dem TSV Köngen ab der Saison 2027/28 ein Punktabzug für die aktiven Mannschaften, wenn das erforderliche Schiedsrichter-Soll nicht erfüllt wird. 

Umso wichtiger ist es, neue Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter zu gewinnen und bestehende Ehrenamtliche langfristig für diese wichtige Aufgabe zu begeistern. Um auf das Schiedsrichter-Soll angerechnet zu werden, muss ein Schiedsrichter in einer Saison 16 Spiele leiten. Seit der vergangenen Saison können bereits 8 Spiele als halber Schiedsrichter angerechnet werden. Trotzdem bleibt die Situation angespannt. Jeder neue Schiedsrichter hilft mit, dass unsere Kinder, Jugendlichen und Aktiven auch in Zukunft ihren Sport ausüben können.

Der Schiedsrichtermangel ist ein bundesweites Problem – wie betrifft uns das als Handball-Verein ganz konkret? 

Ja, es handelt sich nach wie vor um ein strukturelles und gesellschaftliches Problem, das sich in den letzten Jahren eher noch verschärft hat. Besonders herausfordernd ist für die Vereine die neue Regelung, dass ab dieser Saison die Spiele bis einschließlich zur C-Jugend vereinsintern besetzt werden müssen. Diese Spielleitungen helfen zwar dabei, den Spielbetrieb sicherzustellen, werden
jedoch nicht auf das offizielle Schiedsrichter-Soll des Vereins angerechnet. Dadurch entsteht für die Vereine eine doppelte Belastung: Einerseits müssen zusätzliche Spiele besetzt werden, andererseits fehlen die angerechneten Schiedsrichter weiterhin. Hinzu kommt, dass Nachwuchsschiedsrichter häufig bereits ab der B-Jugend eingesetzt werden und damit relativ schnell Verantwortung übernehmen müssen. Umso wichtiger sind eine gute Ausbildung, kontinuierliche Betreuung und eine enge Begleitung der Neulinge in ihren ersten Einsätzen. Die neuen Ausbildungswege wie KiHaSl und JuHaSl sind deshalb ein wichtiger Schritt, um langfristig mehr Menschen für die Schiedsrichterei zu gewinnen. 

Welche Maßnahmen ergreift der TSV Köngen, um sowohl unsere aktiven Schiris zu unterstützen als auch junge Menschen für die Schiedsrichterrolle zu begeistern? Könntest du uns das JUHASL- und das KIHASLProgramm kurz vorstellen? Was sind die Ziele dieser Initiativen?

Ziel beider Programme ist es, jungen Menschen den Einstieg zu erleichtern, Selbstvertrauen aufzubauen und langfristig neue Schiedsrichter für unseren Verein zu gewinnen. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Vereine künftig noch mehr Spiele eigenständig besetzen müssen und junge Schiedsrichter häufig bereits früh Verantwortung übernehmen, sind diese Programme wichtiger denn je. Sie ermöglichen es, erste Erfahrungen in einem geschützten Umfeld zu sammeln und Schritt für Schritt an anspruchsvollere Spielklassen herangeführt zu werden. 

Wie erfolgreich sind diese Programme bisher verlaufen?

Aus meiner Sicht sehr erfolgreich. Besonders wertvoll ist, dass die jungen Schiedsrichter ihre ersten Erfahrungen in der vertrauten Umgebung unserer eigenen Halle sammeln können. Das ist heute noch wichtiger geworden, da viele Neulinge später bereits ab der B-Jugend eingesetzt werden. Durch die kontinuierliche Begleitung gewinnen sie Sicherheit und können sich Schritt für
Schritt weiterentwickeln, bevor sie komplexere Spiele leiten. Es ist schön zu sehen, wie aus anfänglicher Nervosität oft echtes Selbstvertrauen und Begeisterung für die Schiedsrichterei entstehen.

Können auch engagierte Eltern unterstützen?

Auf jeden Fall. Gerade das KiHaSl- und später auch das JuHaSl-Programm sind dafür ein hervorragender Einstieg. Die Programme richten sich nicht nur an Jugendliche, sondern ausdrücklich auch an engagierte Eltern, die erste Erfahrungen in der Spielleitung sammeln möchten. Gleichzeitig helfen sie uns dabei, die über 80 Spiele pro Saison in unserer eigenen Halle erfolgreich zu besetzen und den Spielbetrieb sicherzustellen. Oft entsteht aus diesen ersten Einsätzen sogar die Motivation, später eine reguläre Schiedsrichterausbildung zu absolvieren. Wer nicht selbst das Spielfeld betreten möchte, kann trotzdem einen wichtigen Beitrag leisten, indem Eltern bei Spielen Fairness vorleben, unsere jungen Schiedsrichter unterstützen und ihre Kinder ermutigen, selbst eine Schiedsrichterausbildung zu absolvieren. Damit leisten sie einen wertvollen Beitrag für unseren Verein und den Handballsport insgesamt.

Was wünschst du dir persönlich für die Zukunft des Schiedsrichterwesens beim TSV Köngen?

Ich wünsche mir, dass wir auch in Zukunft genügend Menschen für die Schiedsrichterei begeistern können. Die Anforderungen an die Vereine werden nicht geringer, sondern eher größer. Deshalb brauchen wir eine breite Basis an engagierten Schiedsrichtern, Spielleitern, Eltern und Unterstützern, damit wir den Handballsport auch langfristig auf diesem Niveau ermöglichen können. Ohne Schiedsrichter gibt es keinen Spielbetrieb. Mein Wunsch ist, dass wir als TSV Köngen auch künftig zusammenhalten und weiterhin Menschen finden, die Verantwortung übernehmen und unseren Sport mit Herzblut unterstützen.

Liebe Sandra, vielen Dank für das Interview! Wir wünschen dir und dem gesamten Team für diese Saison: Gut Pfiff!