Handball

Schiedsrichter

Viele neue Gesichter – Investition in die Zukunft

Liebe Sandra, lass uns mal kurz einen Blick zurückwerfen: 

Wann und wie bist Du selbst zur Schiedsrichterei gekommen und was hat Dich motiviert, diese wichtige Rolle im Handball zu übernehmen?
Schon damals gab es einen Mangel an Schiedsrichtern. Wenn ich mich richtig erinnere, hatten mich Elvira Haspel oder Hanne Arnold angesprochen. Ohne Schiedsrichter gibt es kein Spiel. Nach meiner ersten Saison habe ich dann im Gespann angefangen zu pfeifen. Da es aber schwierig war, selbst zu spielen und Trainerin zu sein, und meine Partnerin in Schiri-Rente ging, habe ich dann alleine weitergemacht. 

Seit wann leitest Du unser Schiedsrichter-Team, und wie hat sich das Amt über die Jahre verändert?
Genau weiß ich es nicht, aber ich schätze, es sind knapp zehn Jahre. Das Amt hat sich insofern verändert, dass es nach wie vor einen akuten Bedarf an Schiedsrichtern gibt – auch im neuen Verband – und es schwer ist, junge Leute dafür zu begeistern. Da wir uns sehr um unsere Neulinge kümmern und viel Wert darauf legen, sie auszubilden und lange zu begleiten, bekommen viele ein ganz anderes Standing als Person, das ist toll zu erleben. 

Wie würdest Du die aktuelle Schiedsrichter-Situation beim TSV Köngen beschreiben? Gibt es genügend aktive Schiris?
Im Vergleich zu vielen anderen Vereinen stehen wir ganz gut da, aber wir können unseren Bedarf immer noch nicht decken, was unter anderem daran liegt, dass wir so viele Mannschaften in hohen Ligen haben, was ja auch toll ist. In der kommenden Saison müssen wir deshalb wieder aktiv nach Neulingen suchen. Ab der kommenden Runde droht der höchstspielenden Mannschaft dann für jeden fehlenden Schiri Punktabzug. 

Der Schiedsrichtermangel ist ein bundesweites Problem – wie betrifft uns das als Handball-Verein ganz konkret?
Ja, es handelt sich um ein strukturelles und gesellschaftliches Problem, und ich hoffe, dass sich die Situation durch Änderungen wie die 8-Spiele-Regelung verbessern lässt. Ein Schiedsrichter wird für den Verein nur voll gezählt, wenn er 16 Spiele pro Runde pfeift. Bei der 8-Spiele-Regelung zählt ein Schiedsrichter dann als halber Schiri zum Kontingent. Das erleichtert es Spielern und Trainern, beides auszuüben, ohne sich für eines entscheiden zu müssen.

Könntest Du uns das JUHASL- und das KIHASLProgramm kurz vorstellen? Was sind die Ziele dieser Initiativen?
Das KiHaSl-Programm (Kinderhandball-Spielleiter) des Baden-Württembergischen Handballverbands (BWHV) zielt darauf ab, Eltern, andere Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren an das Schiedsrichterwesen heranzuführen. KiHaSl übernehmen die Spielleitung bei E- und D-Jugendspielen in der eigenen Halle. Das JuHaSl-Programm (Jugendhandball-Spielleiter) ist eine weitere Ausbildungsstufe, die ab einem Alter von etwa 16 Jahren ansetzt und auf das KiHaSl-Angebot aufbaut. Während KiHaSl vor allem für die jüngeren Altersklassen zuständig ist, ist JuHaSl für die älteren Jugendspielklassen vorgesehen. Die JuHaSl-Ausbildung ist ab der Saison 2026/27 verpflichtend vorgesehen und soll dazu beitragen, den Schiedsrichternachwuchs im Jugendbereich zu fördern. 

Wie erfolgreich sind diese Programme bisher verlaufen?
In meinen Augen ist das sehr gut. Es bietet vor allem den jüngeren Schiedsrichtern die Möglichkeit, in der eigenen Halle Erfahrung zu sammeln. Die Betreuung über einen Zeitraum von fast zweieinhalb Jahren bei jedem Spiel hilft jedem Schiri, sein Spiel zu verbessern. Oft werden nur die unglücklichen Situationen hervorgehoben. Dass in den 60 Minuten vieles gut lief, wird schnell vergessen.

Welche Rolle spielt der Verein oder auch ihr im Schiedsrichter-Team in der Betreuung und Motivation aktiver Schiedsrichter, insbesondere in schwierigen Spielsituationen?
Sehr viel. Das hätte ich mir damals auch gewünscht, vor allem, weil Du nach der Prüfung im Bezirk direkt ins kalte Wasser geworfen wurdest. Nein, ich denke, wir können dem Neuling Ruhe und Sicherheit vermitteln und schreiten auch immer wieder in der Halle ein, egal, ob es sich um die Emotionen der Trainer oder Zuschauer handelt. 

Können auch engagierte Eltern unterstützen?
Klar, wir suchen immer wieder Unterstützung – auch für die über 80 Spiele in der eigenen Halle. Unsere grün-weißen Eltern können aber natürlich auch von der Tribüne aus unterstützen, indem sie sich fair verhalten, unseren Nachwuchs als Vorbild inspirieren und ihre Kinder dazu ermutigen, eine Ausbildung zum Schiedsrichter zu machen.

Was wünschst Du Dir persönlich für die Zukunft des Schiedsrichterwesens beim TSV Köngen?
Ich wünsche mir einen großen Kreis an grün-weißen Schiedsrichtern und hoffe, dass auch wieder mehr Mädels Spaß daran finden. Denn in einer großen, starken Gemeinschaft pfeift es sich leichter, und man kann sich viele Tipps holen. Schließlich haben wir zwei DHB-Schiedsrichter mit viel Erfahrung in unseren Reihen. Ich denke, dass wir in den kommenden Jahren noch ein bis zwei weitere Gespanne sehen werden, die es schaffen könnten, im DHB zu pfeifen. Daher müssen wir dranbleiben.

Liebe Sandra, vielen Dank für das Interview! Wir wünschen Dir und unserem gesamten Team für diese Saison: Gut Pfiff!

In der kommenden Saison pfeifen für Köngen:

• DHB-Ebene Stefan Denzinger-Schmid, Tobias Hägele
• HVW-Ebene Christoph Mühlhäuser
• Bezirk Silas Aldinger, Karsten Darocha, Luis Diener, Sandra Schädle, Martin Töpler, Tamara Weinert.
• Neulinge: Cedrik Weinmann, Luca Haußmann, Leon Winterling,Malte Lentzen, Oliver Höhne
• in der eigenen Halle findet Ihr: Sabrina Rommel, Bärbel Schottmüller

Wir wünschen allen Mannschaften eine erfolgreiche und verletzungsfreie Saison!
Eure Köngener Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter